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15 Jahre Lenné-Überflieger – ein Fazit

Wir sind 15 runde Jahre alt. Vor 10 Jahren hat Oleg B. als Ergänzung zur Printausgabe den Überflieger online erstellt. Klingt nicht viel? Hat niemand bemerkt? Mag sein, aber für eine durchgängig existierende und gleichzeitig erfolgreiche Schülerzeitung ist das eine ganze Menge an Jahren, Einsatz, Durchhaltevermögen, Engagement und Spaß an der Sache.

Es war lange ruhig auf dieser Seite und auch das Erscheinen der Printzeitungen ist seit März 2020 unterbrochen. Oder beendet? Schauen wir doch einmal genauer hin. Es hat sich viel verändert in den letzten 15 Jahren – in unserer Schule, in Potsdam, im Land Brandenburg, in der gesamten Bundesrepublik. Bleiben wir in der Schule. Auch Schule hat sich sehr verändert und jeder muss für sich entscheiden, ob ihm diese Änderungen gefallen oder nicht. Wir als Zeitungsredaktion müssen entscheiden, ob es Sinn macht, weiterhin eine Schülerzeitung anzubieten. Fragen wir also einmal in die Schulkorridore und Klassenräume hinein: Wer von euch liest? Wer liest gern und nicht nur einmal im Jahr freiwillig ein Buch? Wer hat in den letzten Jahren – zugegeben, unsere Adressaten sitzen eher in der Sek. II – die kleine A5-Broschüre des Lenné-Überfliegers gelesen. Wir wissen, dass es immer Schüler gab, die keine Ausgabe verpassten. Auch die meisten Lehrer und viele Eltern waren treue Leser; dafür bedanken wir uns. Es gab sie also – die interessierten Schülerzeitungsleser – aber die Zahl nahm von Jahr zu Jahr ab. Die Schüler, die Talent und Lust hatten, Zeitung zu gestalten, waren in den ersten etwa 11 Jahren unserer Zeitungsgeschichte zahlreich. Sie platzten vor Energie, Phantasie und Unternehmungslust. Wir hatten immer wieder intelligente, kreative, großartige Artikel und Texte verschiedenster Genres. Wir führten spannende Interviews mit interessanten Menschen, sammelten unseren „Stoff“ aus Projekten, Exkursionen und Erfahrungen in Berlin, Potsdam und Umgebung. Auch in den letzten vier Jahren bemühten sich unsere Überflieger-Redakteure um interessante Beiträge, obwohl sie wussten, dass Zeitunglesen „aus der Mode gekommen“ war. Schließlich gibt es zahllose mediale Möglichkeiten, sich digital zu „informieren“ oder einfach zu chatten, zu posten – was auch immer. Qualität und geistreiche Beiträge waren zuletzt so schwer zu erstellen wie „zu verkaufen“. Aufwand und Nutzen fielen bald aus dem Verhältnis und mit der Unterbrechung im März 2020, der auch unsere geplante neue Ausgabe zum Opfer fiel, ging uns ein wenig die Luft aus. Aus diesem Grunde werden wir – die aktuelle kleine Redaktion – im Oktober beraten, ob wir die Zeitungsarbeit an unserer Schule beenden oder verändert fortsetzen wollen. Auf jeden Fall werden wir die Printzeitungen einstellen, was bedeutet, dass ihr im Archiv gerade die letzte Ausgabe der gedruckten Lenné-Schülerzeitung anschauen könnt. Es werden – vorerst oder endgültig – keine neuen gedruckten „Lenné-Überflieger“ mehr erscheinen. Vielleicht aber wird es weiterhin den Online-Überflieger geben.

An dieser Stelle möchte ich mich bei den vielen Überflieger-Redakteuren bedanken, die ich so viele Jahre begleiten durfte. Es war eine phantastische, oft herrlich hektische, dann wieder fröhlich gemütliche, inspirierend kreative Zeit, die Freude, Erfolge und auch Stress im Rückblick „einfach richtig“ aussehen lassen. Dank an euch alle und herzliche Grüße an „die Treuen“, die sich immer noch melden, und ebenso an jene, die irgendwo ihr Leben leben… Auch die letzten drei Redakteurinnen (Emma, Luisa, Gina), die 2020 nach ihrem Abi aus der Redaktion gingen, werden wir noch – wie alle anderen vorher – in schöner Runde verabschieden.

Wir melden uns. Bis dahin – bleibt wahrhaftig. umx (Red.)

Im Brennpunkt: Ich will selbstbestimmt leben

Unsere nächste „Überflieger“-Ausgabe erscheint! Unter dem Brennpunkt-Thema „Das ist mein Leben“ fragen wir uns und andere, wie sie ihr Leben so gestalten, dass es sich tatsächlich wie das eigene, selbst bestimmte Leben anfühlt. Denn wie viel in unserem Leben bestimmen wir tatsächlich selbst? Wir gehen auf die Suche nach einer Antwort.
Heute kann jeder fast alles sein; die Möglichkeiten scheinen unendlich. Wir haben das Privileg, selbst über unser Leben, über unser Aussehen, unsere Karriere und unsere Sexualität zu bestimmen. Ich – als junge, engagierte und interessierte Schülerin – würde mein Leben und meine Entscheidungen oberflächlich betrachtet als selbstbestimmt beschreiben. Doch wie viel bestimmen wir tatsächlich selbst? Schaue ich im Duden nach einer Definition für Selbstbestimmung, finde ich: (…) Unabhängigkeit des bzw. der Einzelnen von jeder Art der Fremdbestimmung (z.B. durch gesellschaftliche Zwänge, staatliche Gewalt). Die im Duden aufgelisteten „Fremdbestimmungen“ wecken dann doch Zweifel in mir. Die „gesellschaftlichen Zwänge“ beschäftigten mich besonders. Ist es wirklich Fremdbestimmung, wenn wir uns an die von der Gesellschaft errichteten Normen halten oder ist es nur angepasstes Verhalten unsererseits? Da „selbstbestimmte“ Anpassung und unkritischer Opportunismus nahe beieinander liegen, lohnt es sich, doch einmal genauer hinzuschauen.
Einige Artikel zum Brennpunkt-Thema könnt ihr online lesen, außerdem andere Artikel, die viele Themen berühren, oder auch Kurzgeschichten. Ansonsten seid gespannt auf die neue Schülerzeitung, die garantiert lesenswert ist.

Emma B., Chefredakteurin

Zehn Jahre danach

Der Abifilm läuft. Einige der Darsteller von 2009: v.li.n.re. Ulrike O., Ines T., Kai S., Oliver S., Dario R. und vorn Nadine R. und Madlen S.

von Kristin Bensch, Abi 2009

Das Abitur erreichten wir 2009 nach 13 Schuljahren. Für manchen war es eine schöne Zeit, für andere eher Stress, für wieder andere die reinste Zeitvergeudung. Die 10 Jahre nach dem Abi scheinen geflogen zu sein. Was mag in den Jahren wohl alles passiert sein? Das fragten wir drei Mädels – Nadine und Janine R. und Kristin B. aus dem ABI-Jahrgang 2009 – uns und beschlossen, dass es höchste Zeit war für ein Wiedersehen. Alle zu erreichen, war dann gar nicht so einfach, obwohl wir heute in einer medialen Welt leben. weiter lesen »

Farbspektakel

Von Lucy H., 13a

Am Samstag, dem 24. August 2019, fand wieder das jährliche Holi Festival of Colours statt. Das aus Indien stammende Fest wird auch heute noch in vielen asiatischen Ländern zum Frühlingsbeginn gefeiert. An diesem Tag werden die traditionellen Konventionen der Hindus aufgehoben, sodass nur der Zusammenhalt und die Nächstenliebe zwischen allen Menschen von Bedeutung sind. Mittlerweile wird das Farbfestival auf der ganzen Welt gefeiert. In Deutschland organisieren die Veranstalter jedes Jahr eine Tour durch unsere Großstädte. Wir durften Teil des Holi Festivals of Colours sein. Aufdem zentralen Festplatz in Berlin fanden sich über 5000 Menschen aller Länder ein, um gemeinsam zu tanzen und zu singen. Ab 15 Uhr warteten wir auf den stündlichen Countdown, um unser Farbpulver in den Horizont zu werfen. Unterhalten von neun verschiedenen DJ‘s färbte sich der Himmel bunt. Wer mit einem weißen T-Shirt kam und auch wieder ging, hat das Fest nicht vernünftig gefeiert. Obwohl es ziemlich heiß war, hatten wir eine Menge Spaß. Die Besucher waren sehr aufgeschlossen und sehr herzlich, sodass wir uns alle wirklich frei fühlten. Jeder wurde mit offenen Armen empfangen, egal, aus welcher Region man kam oder welche Kultur man auslebte. Dementsprechend will auch das deutsche Holi Festival of Colours den Zusammenhalt aller Menschen demonstrieren.

Wir empfehlen euch diese Erfahrung, denn auch wir werden es definitiv noch einmal besuchen. Ein kleiner Tipp! Denkt an eine Sonnenbrille und einen Mundschutz, denn das Einatmen des Pulvers ist sehr unangenehm.

Ein Ball und ein Traum

Eric Seise, 11a

Seit meinem fünften Lebensjahr renne ich dem Ball hinterher und habe vermutlich mehr Zeit in das Fußballspielen investiert als in Schularbeiten. Ich verbesserte mich Training für Training und Jahr für Jahr, um nun die Entscheidung treffen zu dürfen, den Verein zu wechseln, umzuziehen und mein Zuhause in Thüringen und fast alles aus meinem bisherigen Leben hinter mir zu lassen. Alles für den Traum, einmal Fußballprofi zu werden. Es begann mit einer kurzen SMS meines aktuellen Trainers, ob ich in der nächsten Saison in der A-Jugend-Regionalliga spielen möchte.

Mir war in diesem Moment egal, ob es der Trainer von Babelsberg 03 schrieb oder der Trainer von Jena oder doch der von Aue. Mein Ziel war einfach, einen großen Schritt zu machen und eine Liga höher zu spielen. Es war Babelsberg. Nachdem ich mich mit meinen Eltern abgesprochen hatte, musste ich „nur noch“ umziehen. Ich packte meine Sachen und fuhr Ende Juli mit meiner Mutter nach Potsdam, um mein Zimmer im Internat einzurichten. Als wir mit dem Umzug fertig waren und ich nicht mehr aufgeregt war, wurde mir bewusst, was ich hier tat. Um meinen Traum zu jagen, verließ ich meine besten Freunde, meine Freundin und – das ist am schwersten – meine Eltern. Ohne Eltern klarzukommen, ist schwierig. Jetzt habe ich keinen mehr, der meine Wäsche macht, Essen kocht und meine Termine im Überblick hat.

Inzwischen habe ich mich an die neue Situation gewöhnt und komme klar. Mein Team ist cool und jeder ist nett, doch es ist natürlich nicht dasselbe wie in meinem Dorfverein. Ich bin an einer neuen Schule, um neben dem Sport das Abitur zu schaffen. Das alles will ich in Kauf nehmen, um meinen Traum zu verwirklichen.

Die kleinen Dinge im Leben

von Katharina, inspiriert durch eine Erzählung von Tommi Schmitt

Es war ein heißer Donnerstagnachmittag in der Kölner Innenstadt. Seit ungefähr einer halben Stunde hatte der Großteil der arbeitenden Bevölkerung ihren 9 to 5 Job beendet und war auf dem Weg nach Hause, um sich dort zuerst für ein paar Minuten vor einen Ventilator oder einen weit geöffneten Kühlschank zu stellen. Die Hitze brütete. In einem Auto ohne Klimaanlage zu sitzen, verbesserte die Lage nicht unbedingt. Jede einzelne Ampel entschied sich kurzerhand, vor Tommi rot zu werden. Rot wie die Gesichter der Verkehrsteilnehmer und so staute es sich an allen Kreuzungen. Es wurde gehupt und geschrien, doch das aggressive Verhalten beeinflusste die elektrischen Anlagen in keiner Weise. Autofahrer erfreuten sich gegenseitig mit Handzeichen, von denen jeder genau wusste, was sie bedeuteten. Fußgänger waren zu sehr in ihre Smartphones vertieft, als dass sie auf heranfahrende Autos achten konnten. So wurde eine normalerweise rasche Heimfahrt zu einer quälenden, schweißtreibenden Tortur. Nach einigen Runden um den Häuserblock fand Tommi schließlich einen etwas weiter von seiner Wohnung entfernten Parkplatz, mittig auf einer Parkinsel einer sehr großen und stark befahrenen Straße liegend. Gestresst von den Menschenmassen und der nervenaufreibenden Gesamtsituation wollte er nur noch in seine kühle Wohnung treten. Als er gerade sein ächzendes Auto verließ, überquerte eine gealterte Dame auf ihren Rollator gestützt den fast verblichenen Zebrastreifen. Zu ihrer Linken lief ein junger Mann, ihr Pfleger, wie es schien. Sie hatte es sichtlich schwer zu laufen, sodass sie zum Leidwesen all der hitzegestresst ungeduldigen Verkehrsteilnehmer. sehr langsam vorankam. Schließlich hatte sie die Hälfte ihres Weges geschafft. Auf der kleinen, nur sparsam begrünten Verkehrsinsel blieb sie plötzlich stehen und bat ihren Begleiter, ebenfalls zu warten. Ein sanftes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, während ihr Blick zum Boden gesenkt war. Dort wuchsen ein paar wenige wunderschöne Wildblumen und doch reichten sie aus, um eine schwache, ergraute Frau inmitten der Hektik der so aufgeregten Metropole zu verzaubern. Tommi hätte die Blumen nicht einmal bemerkt. Wahrscheinlich hätte er sie unbemerkt zertreten.
Indem er dieses scheinbar unbedeutende Geschehen nachwirken ließ, fühlte er sich für einen kleinen Moment geerdet, bevor er seine letzten Schritte dieses Tages durch die Großstadt fortsetzte.