Zehn Monate durch Neuseeland

von Noreen Schuck, Abi 2012

Neuseelands Kueste

Endlich auf der anderen Seite der Welt. Noreen an Neuseelands Pazifikküste

Nach dem Abi ruft die Freiheit

Am 9. Juni 2012 hielt ich stolz mein Abitur in den Händen vor den Augen all meiner Lehrer, Mitschüler und deren Eltern. Es war nicht nur der höchste Abschluss meiner Schullaufbahn, sondern auch mein Fahrschein in die Freiheit. Das einzige Problem war, dass ich noch nicht so recht wusste, was ich damit anfangen sollte. Ich hatte mehrere Pläne. So hatte ich mir schon immer ausgemalt, eines Tages ins Ausland zu gehen und etwas völlig anderes zu erleben, als ich bisher kannte. Jedoch springt man nicht einfach ins kalte Wasser und ich schon gar nicht; also entschied ich mich ganz klassisch mit dem Studieren anzufangen. Psychologie sollte es sein, auch wenn ich mir noch nicht sicher war, ob das passen würde. Es kam jedoch anders. Der NC war 2012 zu hoch, um einen Platz an einer Uni ergattern zu können und so wurde der Gedanke, all mein Erspartes zu packen und ein Jahr mit Work & Travel im wunderschönen Neuseeland zu verbringen, für mich immer reizvoller. Mit einer Freundin an der Seite malte ich mir das naiver Weise als reinstes Vergnügen und Abenteuer aus. Nach wochenlanger Vorbereitung und Vorfreude gab es wieder eine entscheidende Veränderung: Kurz vor unserem Abflug musste meine Freundin aus gesundheitlichen Gründen verzichten. Nun sah die Sache ganz anders aus, aber es war zu spät, um einen Rückzieher zu machen und ich hatte mich schon so lange darauf gefreut. Allein würde es nicht nur Vergnügen und Abenteuer sein, sondern vor allem Herausforderung und Überwindung. Es kam mir vor wie ein doppelter Salto ins kalte Wasser oder noch passender – wie ein Sprung von der Klippe! Aber was hatte ich schon zu verlieren?

Noreen in Newzeeland

Noreen in Newzeeland

Aller Anfang ist schwer

Diese Frage stellte ich mir unzählige Male am Tag des Abflugs, dem 8. Oktober 2012, als es endgültig ernst wurde. Aber ich flog. Doch als ich in Auckland landete, bereute ich alles. Ich war in einer riesigen, grauen, engen, hektischen Stadt gefangen, in der nur Asiaten umherschwirrten, keine Spur von den gelassenen, herzensfreundlichen Kiwis zu finden war und schon gar nicht von Neuseelands atemberaubender Schönheit. Ich hörte überall auf der Straße unverständliches Englisch; die Eröffnung meines Bankkontos gestaltete sich als Krampf, bis ich endlich alles verstanden hatte. Alles, was ich in der Schule in Englisch gelernt hatte, schien vergessen, als ich versuchte, mich mit einem englischen Muttersprachler zu unterhalten. Der Jetlag schlauchte erheblich und ich hatte noch keine Ahnung, welche Richtung ich zuerst einschlagen sollte. Es war eine Sache, alles allein zu entscheiden und zu erledigen, aber dadurch, dass ich so starke Probleme hatte, die Sprache zu verstehen, kam ich mir blind und hilflos vor. Da half nichts anderes als einfach weiterzumachen. Irgendwie musste sich alles fügen!

NZ bei der Hobbit Premiere

Hautnah dabei: Die Hobbit-Welt-Premiere in NZ

heisse quellen

Neuseelands heiße Quellen

Einfach weitermachen und Freunde finden

Ich bin froh, dass ich nach dem anfänglichen Schock nicht die Flucht ergriffen habe. Zuerst einmal ließ ich Auckland hinter mir und erblickte endlich die atemberaubende Landschaft von Neuseelands Nordinsel: endlos grüne Weiten, mit Felsbrocken bekleckerte Hügel, karibische Strände, eindrucksvolle Einöden, qualmende Vulkaninseln und türkisblaue Seen! Ich stresste mich nicht wegen der Jobs, zuerst ließ ich das Land auf mich wirken und das wirkte Wunder. Ich lernte unheimlich viele unterschiedliche Menschen kennen, mit denen ich all meine Aktionen zusammen gestalten konnte, die mich ungeheuer inspiriert und motiviert haben. Der Tag des White Water Raftings mit fünf Australiern, an dem unser Schlauchboot kenterte, war besonders aufregend und witzig. Vor allem in den Hostels traf ich die unterschiedlichsten Menschen und so ist es gar nicht weithergeholt, dass man mal schnell mit fünf Australiern aus der Navy Poker spielt. Die erlebte Freundlichkeit der Kiwis (liebevolle Bezeichnung für Neuseeländer) kann man gar nicht übertreiben: Kaum unterhielt ich mich mit ihnen, schlossen sie mich ins Herz und boten an, für mich mit zu kochen – wie eines Abends, als ein alter Seemann mir sein Lieblingsrezept beibrachte und mir beim Essen vor dem Fernseher erklärte, wie man Cricket spielt. Ich traf vor allem Deutsche, was am Anfang eine Erleichterung darstellte, und mit meinem Englisch ging es erst mal ziemlich langsam, aber sicher voran.

Eine der schönsten Phasen in Neuseeland, die ich nie vergessen werde, erlebte ich definitiv in Wellington. Ich durfte die Weltpremiere des „Hobbits“ miterleben, direkt am roten Teppich stehen und Stars die Hand schütteln. Die ganze Stadt freute sich auf dieses Ereignis und ich konnte Peter Jackson endlich sehen! Ich lernte einen Haufen netter Menschen kennen, die ich bis heute nach allen Erlebnissen meine Freunde nennen darf.  Mit ihnen zog ich für kurze Zeit zusammen und lernte so das WG-Leben kennen und lieben. Gemeinsam feierten wir Weihnachten im Sommer am Strand bei 28°C im Schatten. Es war unheimlich merkwürdig, Weihnachten unter komplett verkehrten Bedingungen zu erleben: Weihnachtsmänner in Badeshorts, schmelzende Schokomänner im Hochsommer… Die Neuseeländer führen ein unheimlich entspanntes Leben. Jeder sieht so aus, als hätte er gerade Urlaub.

immer-wieder-wandern

Das beste Fortbewegungsmittel für Backpacker sind neben dem Trampen die eigenen Füße. Noreen links im Bild

„WWOOFing“ – Das Farmleben

Was alles andere als entspannt war, war die Jobsuche: Meine erste Krise! Neuseeland quillt über von Backpackern und mein Lebenslauf war im Vergleich zu anderen kläglich kurz. Das Geld wurde immer knapper und ich sah mich schon bald im Flugzeug zurück nach Deutschland. Meine Rettung hieß „WWOOFing“ („Willing Workers On Organic Farms“). Man arbeitet für Kost und Logis bei Kiwis ein paar Stunden am Tag. Auf diese Weise habe ich mich mehr oder weniger oft durch das Land „gewwooft“.  Wenn man Glück hat wird man einfach als Teil der Familie aufgenommen, wenn man Pech hat, eher als Haussklave ausgenutzt. Gott sei Dank hatte ich niemals Pech. Ich lernte viele nette Eingewanderte und Kiwis kennen und zog von Farm zu Farm. Meine Aufgaben waren anstrengend, aber vielseitig und abwechslungsreich, manchmal auch merkwürdig, aber spaßig. Für eine Familie mit Kindern spielte ich die Nanny, ich puzzelte mit den Kleinen, backte mit ihnen Kuchen, brachte sie zur Schule, half ihnen bei den Hausaufgaben und war das erste Mal so etwas wie eine große Schwester. Auf den Farmen hieß es vor allem: früh aufstehen, meistens bei Sonnenaufgang. Ginny brachte mir bei wie man Kühe melkt (gar nicht so einfach, wie es aussieht), mit Schubkarre und Schaufel wurden die Koppeln von den Hinterlassenschaften ihrer Bewohner gesäubert, die Tiere wurden gefüttert, der Trailer brauchte einen neuen Anstrich, der Gemüsegarten musste dringend von Unkraut befreit werden und alle paar Tage wurde Holz geliefert, das in der Scheune gestapelt werden sollte. Je größer die Farm, desto länger dauerte die Fütterung und vom Heuballenschmeißen und bergauf Schieben gefüllter Schubkarren gab es schnell Muskelkater. Was sich nach sehr viel Arbeit anhört, war aber in Wirklichkeit halb so wild. Mit den anderen Wwoofern machte die Arbeit mehr Spaß und manchmal hieß es einfach: „Spiel ruhig mit den Hunden.“ Um die Mittagszeit durfte ich aufhören, immerhin wurde ich ja nicht bezahlt. Meine Gastgeber hatten viele Entdeckungstipps für die Umgebung und brachten mich an Orte, die vielen Touristen unbekannt sind und an die ich ohne Auto nicht so ohne Weiteres hingekommen wäre. So brachten sie mich z.B. an einen Fluss, der heißes Wasser führte, oder an unheimlich abgefahrene Wasserfälle. Von all den Eindrücken, dem anfangs mühseligen Englischlernen und der körperlichen Arbeit fiel ich jeden Abend wie erschlagen ins Bett. Viele Kiwis leben sehr einfach auf ihren Farmen. Viele Häuser, in denen ich wohnte, waren schon etwas heruntergekommen, mit Spinnenweben und Krabbeltierchen in jeder Ecke, Strom gab es nur abends zum Kochen, geduscht wurde immer kalt, und wenn es eine Heizung gab, wurde sie nur im strengsten Winter benutzt. Ich konnte mit jedem Tag besser nachvollziehen, warum Landmenschen so abgehärtet sind.

Maori Kulturerbe

Maori Kulturerbe

Reiten am Strand

Reiten am Strand

Zack und seine Baustelle

Nach einigen Wochen zog es mich jedoch stärker denn je zurück in die Zivilisation. Zum Neujahr setzte ich auf die Südinsel über, deren Fjorde und Berge noch viel spektakulärer waren und mich auf den ersten Blick schon umwarfen. Raketen sind übrigens verboten in Neuseeland. Ich feierte Silvester mit Hunderten von Backpackern an einem Lagerfeuer mitten in der Pampa, was eine ganz andere, aber gute Atmosphäre hatte. Nach einer Woche entspannten Urlaubs am Strand klappte es auch endlich mit Arbeit, allerdings anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Zack war ein verrückter Ami, der auf einer Permakultur-Baustelle drei Häuser auf ökologische Art und ohne Maschinen bauen wollte. Da ich keine Alternative hatte, blieb mir nichts übrig als anzunehmen. Es war schließlich entspannter, als ich dachte. Zack ist unheimlich verplant. Die schwersten Arbeiten übernahmen die Männer, mir und zwei Leuten aus Uruguay blieb es, das ganze Werkzeug und Material von A nach B zu bringen, die Gräben für die Rohre zu graben und die große Chaosfläche von Unkraut zu befreien. Letztendlich gewöhnte ich mich gut an meinen neuen Alltag und blieb länger als geplant. Als ich gehen wollte, schenkte Zack mir sogar ein Ticket für ein einwöchiges Hippie-Festival, das er übrig hatte, da seine Frau nicht mitfahren konnte.

Skydive

Unvergesslich: Skydive auf Neuseelands Südinsel

Bunte Reise in den Süden

Nach einer Woche angefüllt mit Musik, bunten Hippies, Buddhismus und interessanten Workshops zu den abgefahrensten Themen wie Traumdeutung, Aikido, Finden des inneren Friedens … (Hippie-Festival eben!) unternahm ich mit ein paar Freunden einige Mehrtageswanderungen durch zwei atemberaubende Nationalparks Neuseelands, den Kuhurangi- und Abel-Tasman-Nationalpark. Mit unseren gewichtreduzierten Backpacks, erlaufenen Blasen und verschimmeltem Brot (dumm gelaufen) wanderten wir 4 Tage von Hütte zu Hütte. – Nachdem ich noch einen Job als Tellerwäscherin in Kaikoura gefunden hatte und noch ein paar Male auf Farmen „wwoofte“, um meine Reisekasse zu schonen, konnte ich nicht widerstehen, mich einer riesigen Touristengruppe anzuschließen und mit ihnen aufs Meer zu einer riesigen „Delfin-Schule“ (laut Veranstalter befanden sich derzeit 500 dort) zu fahren. Es war eins der absolut besten Erlebnisse: Die Delfine waren extrem neugierig, schlugen Loopings und hinterließen noch für den Rest der Woche ein breites Grinsen auf meinem Gesicht.

unendliche Weiten im Lande Rohans

Für Herr-der-Ringe-Fans: unendliche Weiten im Lande Rohans

Wandern bis zur Spitze

Wandern bis zur Spitze

Spektakuläre Westküste

Anschließend reiste ich die absolut spektakuläre Westküste Neuseelands abwärts. Ich kann mich nicht erinnern, so riesige, abstrakt wirkende, mächtige Berge gesehen zu haben und so nah an ihnen dran gewesen zu sein. Die Felsen nahmen zum Teil die merkwürdigsten Formen an wie die „Pancake Rocks“. Mt. Cook, der höchste Berg Neuseelands, war sehr majestätisch; der Lake Tekapo führte milchig türkisfarbenes Gletscherwasser und überall war es sattgrün und tiefblau in Naturfarben so kräftig wie in einem Bilderbuch. – Landschaftlich gesehen war Wanaka der wohl schönste Ort, den ich je gesehen habe. Diesen erreichte ich Anfang Herbst akkurat an meinem Geburtstag. Ich traf viele alte Freunde an diesem Tag, was schöner war als jedes Geburtstagsgeschenk, das ich jemals vorher bekommen hatte. Noch am gleichen Abend kam ich im aufregenden Queenstown an. Es ist die Touristen- und Partystadt schlechthin. Zu viert unternahmen wir eine große, fünftägige Wanderung durch Landschaften, die niemals mit dem Auto erreichbar gewesen wären und somit noch ein besonders magisches Flair hatten.

Queenstown – Adrenalin hoch drei

Queenstown fesselte mich länger. Es war eine absolut geniale und gleichzeitig unheimlich anstrengende Zeit, die ich nicht missen möchte, allerdings nicht wiederholen muss. Vormittags putzte ich im Hostel für freie Unterkunft, nachmittags arbeitete ich als Küchenhilfe in einem stressigen Burgerladen und nachts wurde bis zum Abwinken gefeiert und das fast jeden Tag. Ich habe noch nie so viel, so oft und so exzessiv Party gemacht wie in diesem neuseeländischen Herbst. So aufregend die Zeit auch war; als sie vorbei war, war ich froh und erschöpft war für meinen Zustand gar kein Ausdruck mehr. Allein bereiste ich noch meine restlichen Ziele, die willkommener Weise im Herbst kaum von Touristen aufgesucht wurden und so eine phantastische Erholung sein konnten. Ich war inzwischen längst vom teuren Bus aufs kostenlose Trampen umgestiegen; in Neuseeland ist es Gang und Gebe an der Straße stehende Backpacker aufzusammeln und daher eigentlich unbedenklich, solange man vorsichtig ist. Die Doubtful Sounds sind eindrucksvolle Fjorde, deren Berge viermal so groß sind wie die Berge im Norden der Südinsel. Steward Island ist eine einsame, wunderschöne, grüne, friedliche Insel, die fast wie ausgestorben wirkt. – In den Catlins gab es beispielweise einen einsamen Leuchtturm, der in der Dämmerung bei stürmischem Wetter eine überaus bedrohliche Ausstrahlung hatte und aussah wie der Wächter vom Ende der Welt. An einem Strand gab es versteinerte Baumreste, ich wusste bis dato nicht einmal, dass es so etwas gibt. Noch dazu tauchte vor mir einmal ein Pinguin auf, ein vom Aussterben bedrohter Gelbaugenpinguin. Dunedin ist eine kunterbunte Studentenstadt, in der ich drei Tage verbrachte, bevor ich mich zu meinem Ausgangsort Queenstown aufmachte.

Claire und ich wollten es noch einmal krachen lassen, bevor ich gehen musste. Ich hatte nur nicht realisiert, dass Claire dazu neigte zu untertreiben. Ich meine jetzt nicht eine Party, sondern das Adrenalinreichste, das ich mir überhaupt vorstellen kann. Durch ein günstiges Kombo-Paket konnten wir für wenig Geld unser Leben aufs Spiel setzen, indem wir zusammen zweimal in den 200-Meter tiefen Canyon sprangen. Im Gegensatz zum Bungy Jamp schaukelt man nach dem Sprung noch in der Schlucht herum. Den ersten Sprung zwang Claire mich, kopfüber zu machen; danach war ich entsprechend fertig mit der Welt, dass ich auch nichts gegen einen zweiten Sprung hatte, diesmal rückwärts. Der zweite Part unseres Pakets war der Fallschirmsprung. Nach dem wahnsinnigen Canyon-Swing hatte ich kaum noch Panik, eher ein bisschen Angst, gemischt mit Freude. Dieses Erlebnis setzte meiner Zeit in Neuseeland die Krone auf, ich sah Queenstown, die Berge und Lake Wakatipu von so weit oben und mit dem Tandemspringer an meinem Rücken hatte ich das Gefühl, ich könnte fliegen. Das war ein Erlebnis, das ich eigentlich kaum beschreiben kann. Man kann es nur empfehlen: Probiert es aus!

Weihnachten am Strand

Weihnachten am Strand des Pazifischen Ozeans. Noreen rechts

Fazit: Es hat sich alles gelohnt!

Vor meinem Auslandsjahr hatte ich noch keine Ahnung von dem, was mich dann erwartete. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass mir gar nicht bewusst war, worauf ich mich alles einlassen würde. Anders gesagt: Ich habe 50 Prozent von dem, was mich erwartete, nicht bedacht und mir vieles einfacher vorgestellt. Die ersten Tage waren hart und dehnten sich wie Kaugummi, die ersten Schritte waren holprig und unbeholfen und ich kann gar nicht zählen, wie oft ich auf die Nase gefallen bin. Dennoch kann ich gar nicht ausdrücken, wie dankbar ich für all diese Erfahrungen bin, denn ich habe von dieser Reise mehr mitgenommen, als ich mir vorstellen konnte. Alle guten Erlebnisse haben sich auf ewig in mein Gedächtnis gebrannt; ich durfte Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern begegnen und viel über ihre Kultur lernen. Mit meinem Leben in meinem Rucksack und meinen Füßen hatte ich alles bei mir, was ich brauchte und konnte gehen, wohin immer ich wollte. Ich war Herr (Frau) meiner eigenen Entscheidungen, auch etwas sehr Wichtiges, was ich anfangs noch lernen musste. Die Zeit verging exponentiell immer schneller und das Leben wurde mit dem wachsenden Englischverständnis immer einfacher. Ich hätte mir kein besseres Land als Neuseeland aussuchen können, das so viele verschiedene Naturkomponenten in sich vereint und  an so vielen Orten noch von Menschenhand unverändert geblieben ist. – Die Monate sind vergangen wie im Flug; dennoch kam es mir vor, als hätte ich mein Zuhause mehrere Jahre nicht gesehen. Das Jahr erschien mir wie ein Abtauchen aus der Realität. Es war unheimlich intensiv, sowohl körperlich als auch psychisch, manchmal hart, viel zu oft musste man sich Lebewohl sagen, Heimwehphasen gab es auch… Doch das wiegt nichts gegen die guten Erfahrungen und all die Überraschungen, die auf mich in Neuseeland warteten.

Ich würde mich jederzeit wieder entscheiden wie damals, denn es war eine unvergessliche Zeit. So traurig ich war, Neuseeland verlassen zu müssen, so sehr freute ich mich auch auf meine Familie, meine Freunde und mein Zuhause. Was ich in und nach der langen Zeit „am anderen Ende der Welt“ besonders schätzen gelernt habe, sind vertraute Gesichter, die bleiben und für einen da sind; ein festes Zuhause, einen gut gefüllten Kühlschrank, mehrere Klamotten zur Auswahl, Privatsphäre, ein monatliches Taschengeld und nicht zu vergessen das deutsche Brot! Zu den mir wichtigsten Dingen, die ich gelernt habe, zählen natürlich das Tür und Tor öffnende Englisch, eine große Portion Menschenkenntnis und besonders, dass ich mich daran gewöhnt habe, immer wieder ins kalte Wasser zu springen.

Moment noch…

Bevor es aber endgültig nach Hause ging, machte ich noch einen kurzen Abstecher zu Neuseelands großem Bruder Australien. Das würde allerdings den längst gesprengten Rahmen des Artikels vollends sprengen, zumal ich die noch fehlenden 75 Prozent meiner Neuseeland-Erfahrung noch nicht einmal angerissen habe. Ich hoffe nur, dass euch dieser kleine Einblick in das fast einjährige Leben mit einem Working-Holiday-Visum gefallen und vielleicht auch inspiriert hat. Falls Ihr noch nicht wisst, was ihr nach dem Abitur machen wollt, und euch doch nicht sofort in eine Ausbildung oder ein Studium stürzen wollt, kann ich euch diesen Weg nur empfehlen. Ich kenne niemanden, der es jemals bereut hat!

neuseelands kueste

Es hat sich gelohnt. Versucht mal den Handstand auf der Südhalbkugel der Erde. Ein Wahnsinnsgefühl!

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