Nach dem ABI erst mal SCHLAFEN

von Philip Walter und Alex H. (Abi 2016)

Philip: Die erste Frage nach dem erfolg¬reich bestandenen Abi ist meist: Was machst du jetzt? Einige haben ihren Ausbildungs- oder Studienplatz schon in der Tasche, andere beginnen jetzt erst mit den Bewerbungen. Doch bis es letztlich soweit ist, heißt es, eine Menge Zeit zu überbrücken. Da stellt sich doch gleich die Frage nach dem »Wie?«. Eine der ersten Ideen wird »ausschlafen« sein. Ebenso beliebt ist das »Chillen mit Freunden« oder – für das liebe Kleingeld – endlich mehr als zweimal die Woche arbeiten gehen zu können. All diese Möglichkeiten erscheinen zunächst erstrebenswert, jedoch kommt mit diesen Optionen auch sehr schnell Langeweile auf. – Um dieser Langeweile zu entgehen, war ein letzter gemeinsamer Urlaub das ideale Ausweichmanöver, und so quetschten sich Amandus, Michelle, Alex und ich nach den Prüfungen und vor dem Abschlussball in das kleine rote Auto von Amandus‘ Vater, um für eine Woche nach Polen zu fahren. In diesen sieben Tagen Urlaub in Rewal ließen wir die Seelen baumeln. Rewal ist ein beschauliches Örtchen an der polnischen Ostsee und mit seinen kleinen Läden wie für Touristen geschaffen.
Alex: »Wie für Touristen geschaffen?« Philip, Philip, Philip… Mit seinen ca. 800 Einwohnern ist Rewal doch relativ groß, denn die meisten Gebäude sind Ferienhäuser und im Zentrum drängt sich Souvenirladen an Restaurant und Restaurant an Souvenirladen. In regelmäßigem Abstand von fünf Metern stehen Spielautomaten, wie man sie vom Rummel kennt.

Philip: Das finde ich nicht nett von dir, mich andauernd zu unterbrechen…
Alex: Tut mir leid, aber deine ewigen Ausschweifungen…
Philip: Wie dem auch sei… Bereits auf der Hinfahrt lernten wir nette und auch lästige Leute kennen. Als wir an einer Autobahnraststätte Rast machten, wurden wir von drei merkwürdigen Typen angesprochen, die es alle auf Michelle abgesehen hatten. «
Alex: Ja, klar: »Ah, hübsche Frau! Braucht Parfüm? Hier. Hugo Boss, Chanel…« Die nervten!
Philip: War der eine fort, kam gleich der nächste an, der ihr Schmuck andrehen wollte.
Alex: »Hier Schmuck, nur für dich. Nur zehn Euro, frisch geklaut …« Als wir dachten, der Typ würde sich verziehen, irrten wir uns. Er sah auf das Autokennzeichen und rief laut: »Ah! Brandenburg!« Was sollte das denn?!
Philip: Der dritte Mann stand nicht weit entfernt und beobachtete das Geschehen. Wir behielten ihn ständig im Auge…
Alex: » Als der zweite dieser aufdringlichen Typen endlich von uns abließ, stiegen wir ganz schnell ins Auto und fuhren weiter. «

Philip: Endlich in Rewal angekommen konnte das faule Leben beginnen. Wir hatten ein mehr oder weniger festes Tagesprogramm: ausschlafen, um zwölf frühstücken und weiterschlafen. Gegen 15 Uhr begann der eigentliche Tag.
Alex: »Mehr oder weniger?« Es war jeden Tag haargenau das Gleiche! Haben wir damals in der Schule nur sechs Stunden Schlaf bekommen, waren wir jetzt maximal sechs Stunden wach. Für Gemütlichkeit sorgte zumeist unser Gruppenkuscheln nach dem Frühstück.
Philip: Ja, wir vier in einem Bett. Das war schon sehr gemütlich und schön warm.
Alex: Stimmt. Frühmorgens war unser kleines Holzhaus noch eiskalt. Ohne uns in dicke Decken zu wickeln, konnten wir nicht frühstücken, ohne zu zittern. Der Architekt hat wohl noch nie was von Dämmmaterial gehört… Erst zum Abend hin heizte sich das Haus so auf, dass halbwegs erträgliche Temperaturen herrschten.
Philip: Und am Nachmittag waren wir am Strand und im Wasser und auf dem Wasser.
Alex: Oh ja, Philip! Im Wasser waren wir – mit den Füßen. Und selbst da auch nur ganz kurz, denn die Ostsee ist Anfang Juni immer noch viel zu kalt. Nach nur zwei Minuten konnten wir unsere Zehen nicht mehr spüren.
Philip: Also ich hatte solche Probleme nicht… Aber unsere Sandburg war doch echt hübsch.
Alex: Du hast ja ’ne komische Vorstellung von Ästhetik. Für mich war das nur ein hübscher Haufen Sand mit einer Zugbrücke aus einem Stück Holz.
Philip: Vergiss mal nicht die kleinen Steinchen, mit der ich die Burg verziert habe.
Alex: Oh, jaaa… Die haben wesentlich zum Aussehen unseres Sandhaufens beigetragen.
Philip: Eine Menge Spaß hatten wir beim Skaten, weshalb wir von den Einheimischen komisch beäugt wurden.
Alex: Erste Frage: Wer ist »wir«? Du warst der einzige, der weder Inliner noch Skateboard dabei hatte, und wie ein Depp uns dreien hinterhergerannt ist. Die Einwohner haben uns kaum so seltsam angeglotzt, weil sie noch nie ein Skateboard oder Inliner gesehen haben…
Philip: Warum erzählst du denn nicht allein weiter, wenn dir meine Erzählung nicht gefällt?
Alex: Ich mag es, dich zu unterbrechen.
Philip: Na schön. Ein anderes Mal unternahmen wir eine Shoppingtour in Kołobrzeg, der nächstgrößeren Stadt.
Alex: Shoppingtour? Ich erinnere mich daran, dass nur Amandus und Michelle shoppen waren, weil ich keine Lust hatte. Und du wolltest mich nicht allein lassen oder nicht allein gehen. Also: Wir beide haben uns in den nächsten Park gesetzt und Leute beobachtet.
Philip: Dabei ist uns aufgefallen, dass dort sehr viele ältere Menschen wohnen.
Alex: Wie viele Leute, die an uns vorbeigelaufen sind, waren in unserem Alter? Fünf von hundert?
Philip: Könnte hinkommen. Du wolltest doch Internet haben, oder?
Alex: Ja. Zum Glück war der Park weniger ein Park als ein Hotspot. Also habe ich versucht, mich ins W-LAN einzuloggen und landete auf einer Seite mit den AGBs zum Bestätigen – auf Polnisch. Also habe ich es gelassen.
Philip: Und es hat gefühlt ewig gedauert, bis Amandus und Michelle fertig waren und wir uns zu viert weiter die Stadt ansehen konnten. Ich fand ja auch toll, dass wir jeden Abend selbst in unserem Holzhäuschen unser Essen kochten, wobei das gemeinsame Grillen der kulinarische Höhepunkt der Woche werden sollte.
Alex: Dein Ernst!? Das Grillen war DEIN kulinarischer Höhepunkt? Ich fand ja unser Abendessen bei McDonalds in Kołobrzeg am besten. Amandus konnte sich für weniger als 60 Zloty (ca. 12,50 EUR) zwei Menüs (inkl. Pommes und Getränk), eine Cola und eine Tüte Pommes kaufen… Allerdings nur, weil ihn der Mitarbeiter, der nicht so gut Englisch sprach, falsch verstanden hat.
Philip: Tja, unser Amandus…, immer so kompliziert. Als er sich dann noch ein Eis bestellen wollte, stand er in der Schlange hinter einer älteren Dame aus Deutschland, die ihre Bestellung gemütlich auf Deutsch machte.
Alex: Ja, das war lustig. Die Polen konnten fast alle weder deutsch noch englisch sprechen. Sie reden polnisch, merken, dass wir sie nicht verstehen können, und sprechen noch schneller und in noch längeren Sätzen polnisch. Sie könnten ja auch einfach gestikulieren.
Philip: Immerhin konnten wir uns doch halbwegs mit ihnen verständigen. Ja, war eine schöne Woche: Wir ließen die Tage in gemütlicher Runde ausklingen oder wir begrüßten gleich den neuen Tag.
Alex: Tatsächlich vergingen die sieben Tage wie im Flug. Und so schnell der Donnerstag der Anreise gekommen war, folgte auch der Donnerstag der Abreise und schon bald waren wir wieder in Potsdam. Doch schließlich haben wir noch ein schönes Foto als Andenken geschossen.
Philip: Nicht nur eins! Wenn ich auf diesen Urlaub zurückblicke, denke ich, dass es der perfekte Abschluss der Schulzeit war.
Alex: Jaa, Philip!…

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(v.l.n.r.) Alex, Philip, Amandus und Michelle vor dem „Domki Rekin“ in Rewal, Polen

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