Zurück in die Zukunft

von Arno Scholwin, Abi 2009, ehem. Layouter und Redakteur des „Überfliegers“

40 Grad Lufttemperatur, die Projektoren an den Grenzen der Belastbarkeit und "Aka Aka" an den Reglern

Nach dem Abitur 09 ich habe wie die meisten der angehenden Männer meinen „Dienst“ geleistet, in meinem Fall den Zivildienst. Nach einigen Komplikationen wechselte ich die Dienststelle und landete schließlich in den AKTIVA Werkstätten auf Hermannswerder, wo ich in Arbeitsgruppen geistig- und körperlich behinderte Menschen betreut habe. Auch wenn das für manche nach einer „klassischen Zivi-Tätigkeit“ klingt, hat diese Arbeit meinen Horizont enorm erweitert. Ich habe von diesen so besonderen Menschen viel über das Leben und letztendlich über mich gelernt. Anfängliche Berührungsängste waren schnell verschwunden, daher: Probiert es, es lohnt fürs Leben! – Im März 2010 war meine Dienstzeit beendet. Ich zog in meine erste WG und stellte fest, dass ich die Frage „Wie geht‘s nun weiter?“ leider nicht wirklich beantworten konnte. Zwar nutzte ich eine vom Bund geförderte Weiterbildung zur Studienvorbereitung. Den eigenen Weg muss man jedoch selbst wählen und das „Bauchgefühl“ muss da sein. Beides fehlte und ich war unsicher geworden. – Es begann eine eher bescheiden erfolgreiche Zeit, in der ich unzählige Bewerbungen für Nebenjobs und schließlich für Praktika schrieb, mir die Miete mit Live Visuals* im Club verdiente und vom Kindergeld lebte. Irgendwie ging es, aber es blieb unbefriedigend. Den geplanten Thailand-Urlaub – für die Horizonterweiterung gedacht – konnte ich demzufolge auch nicht antreten.

Schließlich fiel eine meiner Bewerbungen auf fruchtbaren Boden: Ich wurde kurzfristig Set-Praktikant für die ZDF Science-Fiction Serie: „Ijon Tichy: Raumpilot“ mit Norah Tschnirner und Oliver Jahn in der Hauptrolle. Weil der Sendetermin noch aussteht, kann ich leider wenig Genaues darüber verraten, aber es hat enormen Spaß gemacht, war harte Arbeit und eine sehr angenehme erste Set-Erfahrung. Damit hatte ich einen Fuß in die Fernsehlandschaft gesetzt und schrieb wieder fleißig Bewerbungen mit meiner neuen Referenz. Trotz ein paar mehr Einladungen zu Bewerbungsgesprächen oder Vorauswahl-Runden blieb es letztlich erfolglos. Fast! Eine Bewerbung fruchtete und ich bekam schon einen Tag nach dem Gespräch unverhofft – wegen der vielen Bewerber – die Zusage für ein 12-monatiges Praktikum bei der „Schnittlauch Postproduktion GmbH“. Ich bin schon jetzt wahnsinnig dankbar für diese Chance und so lebe ich nun nach gut zwei Monaten Praktikum in meiner neuen Berliner WG und versuche – mit Arbeit und neuen Kontakten usw. – meinen Weg weiter zu ertasten und letztendlich zu gehen. So viel ist sicher: Er wird etwas mit dem Medium Film zu tun haben.

Ein Zufall, der mich immer noch fasziniert, ist die Tatsache, dass ich nur ein paar Ecken von der Straße entfernt lebe, wo ich vor 21 Jahren in Berlin als kleines Baby das Licht der Welt erblickte. So fühlt es sich – wenn man Nachts mit dem Fahrrad von der Arbeit kommt und dort vorbeifährt – in der großen, überfüllt- einsamen Stadt doch vertraut und warm an. Und für alle, die Angst vor Berlin haben: Es lohnt sich enorm und macht sich gut in jeder Biografie, wenn man einmal eine „richtige“ Metropole erlebt habt – und Berlin ist von denen noch die sanftere. – Traut euch, neue Wege zu gehen, das Gewohnte könnt Ihr jederzeit wiederhaben – Nur wer sich nach draußen wagt, kann auch wieder zurückkommen.

Was sind Live Visuals?*
www.weltenwerft.de

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