Verblendet

von L.H.

Stumme Gespräche. Ein erzwungenes Lächeln. Keine Freiheit, nur Fremdbestimmung. Was passiert mit einem Mädchen, wenn es seine Freiheit verloren hat? Seit Jahren herrscht diese Freundschaft zwischen dem Mädchen A. und ihrer Freundin S., anfangs eine liebevolle und verständnisvolle Freundschaft und heute nur noch Schein.
Sie lachten viel, hatten Spaß und verbrachten jede freie Minute miteinander, ohne voneinander genervt zu sein. Selbst die Familien standen sich nah. Doch mit der Zeit veränderten sich beide. S. fand neue Freunde und stieß ihre alten Freunde von sich, durch ihr Verhalten. Immer stärker veränderte sich ihr Charakter. Sie wurde ein völlig anderer Mensch und ein neues „wahres“ Gesicht kam zum Vorschein. A. hingegen wurde ruhiger und zog sich zurück. Sie baute eine Mauer, die niemand durchbrechen konnte. Im Inneren gebrochen und einsam, spielte sie das freundliche und hilfsbereite Mädchen, das jedoch selbst am meisten Hilfe gebraucht hätte. So entwickelte sich aus der scheinbar so guten Freundschaft eine erzwungene und bedrückende Situation. Lügen, Zerrissenheit und Kontrolle wurden zum Hauptbestandteil ihrer „Freundschaft“.
Hin und her gerissen zwischen Herz und Kopf, zwischen Vernunft und einem Gefühl des Wahnsinns, zwischen Wahrheit und Lüge, verliert A. allmählich den Boden unter ihren Füßen. Leute, die immer wieder auf sie einreden, um ihr zu helfen, blockt sie ab. Sie hat Angst. Angst vor den Konsequenzen, wenn sie ihre Probleme laut äußert. Angst davor, allein zu sein. Ein Mädchen, abhängig von ihrer Freundin. Gefangen im Bann des Teufels. In einem nie endenden Teufelskreis. Dieses zärtliche Mädchen wurde ihrer Selbstbestimmung und Selbstachtung beraubt. „Wo bist du?“, „Was machst du?“, „Mit wem bist du?“ sind Fragen, denen sich A. täglich stellen muss. Eifersucht und ständige Kontrolle durch die vermeintliche Freundin S. prägen ihr Leben. Sie hat keine freie Minute ohne Streit und Diskussionen mit ihrer „besten Freundin“.
Jeden Tag leidet A. mehr, aber sie schafft es nicht, sich aus dem Würgegriff von S. zu befreien. Nicht ohne Hilfe. Immer wieder reiche ich ihr die Hand, um sie aus dem Loch der Dunkelheit zu ziehen, doch sie greift nicht nach meiner Hand. Keiner wird ihr helfen können, wenn sie nicht selbst den Absprung in Richtung Freiheit wagt. Doch sie kann es nicht, da ihr Herz gegen ihren Verstand arbeitet. Sie könnte alles verlieren, ihre Freunde, ihre Seele, ihr Leben. A. braucht ihre Freiheit zurück. Sie muss aufwachen und sich aus der Umklammerung befreien. Nicht allein, sondern mit der Hilfe ihrer Liebsten, ihrer Freunde. Das einst so starke Mädchen muss sich gegen diese erdrückende und fremdbestimmte Situation wenden, ihre nur scheinbar gute Freundschaft aufkündigen und auferstehen als die, die sie einmal war. Das Leben wird sich für A. von dem Moment ändern, da sie wieder die Macht über ihr Leben besitzt und selbstbestimmte, freie Entscheidungen trifft.

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