Kontinent Amerika. Road-Trip gen Süden

Endlose Straßen in Colorado

Kristin hat 2009 das Abitur an der Lenné-Schule abgelegt, hat dann ein halbes Jahr in Irland auf einer Farm gearbeitet und anschließend ein Jahr in Kanada gelebt und gearbeitet. Die Amerika-Reise von Nord nach Süd war krönender Abschluss dieses Jahres.

(Ein Bericht von Kristin Bensch)

Erst führte es uns durch die Oststädte und Regionen Canadas bis nach Halifax, dann südwärts in die USA! Die Grenzüberschreitung verlief auch sehr spannend. Nachdem sie uns an der Grenze misstrauisch begutachtet hatten, verspürten sie wohl doch das Bedürfnis, unser ganzes Auto genauestens unter die Lupe zu nehmen und zu schauen, ob wir nicht doch ein paar Drogen dabei hätten. Immerhin war unser Auto in British Columbia zugelassen, wo „Gras“ nicht gerade selten vorkommt. So fragte man uns auch ob wir – zwei unschuldig aussehende Mädchen – spitze Gegenstände wie Spritzen im Auto hätten. Hatten wir nicht. Nach eineinhalbstündigem Warten durften wir dann endlich in die USA einreisen.

Es ging nach Boston, New York bis hinunter nach Washington DC und von da aus wieder nördlich nach Chicago. Meist schliefen wir im Auto bzw. „couchsurften“ bei vielen netten Leuten. „Couchsurfen“ ist eine Möglichkeit, bei Leuten, meist Einheimischen, auf der Couch zu übernachten und so Geld zu sparen, da das sehr preiswert ist. Auch bekommt man Einblicke in ihr Leben und oft noch eine super Stadtführung. Auf diesem Weg lernt man viele neue Freunde kennen.

Von Chicago reisten wir durch das weite Land. Es ging durch Iowa und Nebraska, beides Staaten, die durch ihre typische Farmlandschaft geprägt sind. Knappe zwei Tage fuhren wir, bis wir endlich in Colorado ankamen, wo eine Freundin von Laura lebte und wir drei Tage verweilten. Auf dem Weg dorthin ging uns auch einmal weitab jeder Zivilisation der Sprit aus, was leicht passieren kann in einem Land, wo Tankstellen nur alle 200km stehen. Zum Glück hatten wir vorgesorgt und einen vollen Reservekanister dabei, sodass wir mitten im Nirgendwo und mitten auf der Straße unser Auto mit 10 kostbaren Litern Benzin volltanken konnten und so knapp die nächste Tankstelle erreichten. In Colorado schliefen wir nach ca. 7 Monaten endlich wieder in Federbetten und hatten eine deutsche Brotzeit. Man glaubt gar nicht, wie sehr man das genießen kann, denn in Nordamerika ist gutes Brot eine Seltenheit.

Kristin im Antilope Canyon in Utah

Nach einigen Entspannungstagen setzten wir unsere Tour zum Grand Canyon fort, über die Rockies und den Arches National Park. Der Grand Canyon ist unbeschreiblich schön. Man schaut in den Canyon und kann weit unten ganz winzige Gestalten sehen und erkennen, dass dies Menschen sind, die da unten wandern. Erst dann realisiert man wirklich, wie tief dieser Canyon ist. Ich verspürte ein unglaubliches Gefühl von Freiheit, das ich nie vergessen werde! Einen weiteren Canyon fanden wir weiter nördlich in Utah: den Antilope Canyon, welchen manch einer vielleicht aus dem Film „127 hours“ kennt. Unglaublich faszinierend und ein echter Geheimtipp.

Nach all den wunderbaren Nationalparks führte es uns nun wieder in eine Stadt: Las Vegas, die Stadt der vielen Möglichkeiten. Ja, es war eine Erfahrung wert. Wir suchten uns ein Hostel, da wir kein Geld für eines der teuren Hotels hatten, und machten schnell Bekanntschaft mit einigen Leuten, die uns in Las Vegas herumführten und uns am Abend die besten Casinos zum „Gambeln“ (Spielerei/ Zocken) zeigten. So lernte ich an dem Abend „Crabs“, was mich nicht gerade zu Reichtum brachte.

Wir verließen Vegas in Richtung Westen nach Kalifornien, wo unser erster Anlaufpunkt the „Death Valley“, das „Tal des Todes“, war. Es ist der trockenste Nationalpark der USA und ein Traum für jeden Geologen. Die Natur bietet hier viel Wunderbares wie die Dünen oder den Salzsee, der 85,5 m unter dem Meeresspiegel liegt und somit der tiefste der USA ist.  – Weiter ging es nach Los Angeles, wo wir für die erste Nacht kein Hostel finden konnten, was unser Budget nicht gesprengt hätte. So schliefen wir in den Straßen von Santa Monica in unserem treuen Auto. Das Frühstück genossen wir ebenfalls im Auto etwas außerhalb der Stadt mit Blick auf den Pazifik. Schließlich fanden wir ein akzeptables Hostel, erfrischten uns und erkundeten die Stadt. Mit zwei Engländern, mit denen wir das Hostelzimmer teilten, fuhren wir in unserem Auto durch Hollywood. Das Anstrengendste hier war die Parkplatzsuche an den Hauptattraktionen wie the Walk of Fame. In Beverly Hills fanden wir einen Ort, von dem wir ganz Los Angeles überblicken konnten. – Auf LA folgte San Franzisco. Hier lernten wir, dass man in den USA immer sehr genau auf die Parkschilder achten sollte. Noch während wir in ein Hostel einchecken wollten, wurde unser Auto abgeschleppt. Als wir wieder heraus kamen, um unsere Sachen zu holen, waren sie weg – mitsamt dem Auto. Wir hatten gerade mal ein paar Dollar in der Hand und immerhin unsere Ausweise. Zum Glück war das Gelände, auf dem unser Auto auf uns wartete, zu Fuß zu erreichen. Andernfalls – sagte man uns – wäre es verpfändet, mit all unseren Sachen… Nun mussten wir noch sparsamer leben, aber darin waren wir geübt. San Franzisco erkundeten wir an einem Tag. Wir besuchten Fisherman’s Wharf, bestaunten die Robben und erlebten eine super Fahrt mit der Cable Car. Schon am Abend verließen wir „Frisco“ über die Golden Gate Bridge in Richtung Norden, immer auf dem Highway 1 entlang.

Durch die Redwoods – mit den höchsten Bäumen der Erde – machten wir eine Wanderung und unser Auto durfte einmal mit uns durch einen dieser Riesen hindurchfahren. In Amerika gibt es „drive thru“ für alles, nicht nur für Fast Food und Geldautomaten. So langsam ging unser Roadtrip auch wieder zu Ende und nach einem Stopp in Seattle, waren wir wieder im guten alten Canada und unserer „Homecity“ Vancouver.

Ein paar Tage verweilten wir hier und in Whistler bei Freunden, bis unser Flug nach Mexico ging. 19 Stunden Reisezeit und viermal umsteigen war mein längster Flugmodus, den ich bis jetzt erlebt habe. Mit nur einem Handgepäck machten wir zwei Wochen Urlaub von unserem großen Urlaub in Kanada. Unser Ziel war Cancun in der Karibik. Kaum kamen wir in Mexico an, wurden wir gebührend empfangen, mit einer ausgiebigen „Tequila Night“. Gereist sind wir dort mit den einheimischen Bussen nach Playa de Carmen und Tulum, wo wir alte Maya-Stätten bestaunten. In Tulum lebten wir so spartanisch wie nie vorher, in einer Hütte mit zwei Betten und einem Tisch. Elektrizität gab es nur von 7 Uhr abends bis 6 Uhr morgens. Aber es war einer der schönsten Orte, die ich je betreten habe. Ein weiterer Höhepunkt war die „Isla Mujeres“ – die Insel der Frauen. In dem einzigen Hostel auf dieser Insel habe ich einige Freunde kennengelernt, die ich nun ab und zu hier in Europa besuche. Yucatan in Mexico ist wunderschön und jede Reise wert. An diesem Ort verspürte ich das Bedürfnis, von Neuem zu starten und mit meinem „Backpack“ durch Central America zu reisen.

Leider musste ich den Heimweg antreten und nach acht Monaten Kanada, USA und Mexiko von Vancouver aus zurück nach Europa und Deutschland fliegen. Es war ein Abschied von einer wunderbaren Zeit, die mein Leben und meinen Lebensstil extrem geprägt hat. Obwohl ich inzwischen in Berlin studiere, sind viele Erinnerungen, Kontakte und Bindungen geblieben.

 

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